Reparaturgesellschaft
„Was ist der Wewerka-Pavillon nur wirklich? Ein Ausstellungsraum ist er auf keinen Fall, den aus bau- und ordnungsrechtlichen Gründen darf er nicht betreten werden. Aus selbigen Umstand heraus wird auch seine Bezeichnung als Skulptur, als autonom erfahrbare Architektur ad absurdum geführt.“
Sabine Maria Schmidt, Stadtblatt Mai 1988
Die Frage, die Sabine Maria Schmidt schon 1988 zur Einweihung des Wewerka-Pavillons stellte, scheint bis heute nicht endgültig beantwortet zu sein. Rechtlich als Skulptur deklariert, durch Gewohnheit aber als Architektur behandelt, spiegelt sich diese Ambivalenz vor allem im gegenwärtigen Zustand des Pavillons. Wer trägt die Verantwortung für diesen Verfall? Den Zugang, der Besucherinnen und Besuchern verwehrt bleibt, hat über die Jahre vor allem die Natur erhalten. Die Patina zeugt nicht von einer ästhetisierten Ruine, sondern zeigt lediglich den graduellen Verfall, dem auch die resistentesten Materialien unserer industriellen Produktion unterliegen. Jede Nutzung der Skulptur entfernt diese von ihrer ursprünglichen Form. Urheberschaft, Eigentum und Nutzungsrecht waren nie eins.
Wir haben beschlossen, den Pavillon als das zu nehmen, als was er rechtlich gilt: als eine Skulptur, mit der und gegen die wir arbeiten. Stellen wir uns eine Baustelle vor, auf der alle Beteiligten ihre eigene Vorstellung von Veränderung in die Tat umsetzen. Wohin führt diese Widersprüchlichkeit der Veränderung? Kann die Aufwertung einer Oberfläche zu einer Form der Zerstörung werden oder die Dekonstruktion einer bestehenden Struktur neuen Wert generieren? Wer wirft oder pflastert den ersten Stein?
Auch davon soll diese Ausstellung erzählen.
Kurator
Jonas Roßmeißl
Beteiligte Künstler:innen
Rieke Albertin
Yooyoung An
Leona Egelkamp
Maurice Fey
Finn Froböse
Max Hedderich
Suyeon Prana Kim
Junsun Park
01.07 - 03.08.2026
Wewerka Pavillion
Aasee-Uferweg,
48143 Münster
Photo of Junsun Park
Photographers
Hyesung Ryu